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Begebenheiten

Folgende Begebenheiten sind von Handschriften oder alten christlichen Zeitschriften entnommen, neu überarbeitet und sollen hier zur Erlösung der Seelen und Erhaltung im Glaube dienen. Von den meisten Begebenheiten sind uns leider die Verfasser unbekannt, darum wollen wir gerne jeden Hinweis auf den Autor entgegen nehmen.

Inhalt aller Seiten:

Seite 1

Ein Empfehlungsbrief
Schlechte Gesellschaft
Warum sagst du es nicht Jesus?
Das Singen verlernt
Nicht die Zeiger, sondern die Uhr
Kleine Arbeiten für den Herrn
Gehorsam
Ungehorsam
Die Aufrichtigkeit
Rudolf's Freiheit

Seite 2

Die Folgen einer Lüge
Eine Weihnachtsgabe
Gottes Wille
Es kam ein Engel
Auf das alle an Ihn glauben
Ich habe für dich gebetet
Ein Vorrecht
Der Traum einer Pfarrerstochter
Das Lebensbuch

Seite 3

Die gute Schwester
Die gelben Rüben
Gott hilft
Du, Gott, siehst mich!

Seite 4

Feurige Kohlen
Die Hand des Glaubens
Wer einmal lügt
Selig sind die Barmherzigen
Welchem viel gegeben ist...

Seite 5

Begegnung
Unverzügliche Strafe
Das Gewicht an der Uhr
Begründete Zweifel
Kommt her, ihr Gesegneten
Nur ein Traum?
Eine Lüge ohne Worte
Worauf es ankommt

Seite 6

Neu! Die Kleine Missionarin
Neu! Frei geworden in Ketten

Seite 1

Ein Empfehlungsbrief

Auf ein Inserat in den Zeitungen hin, in welchem ein Kaufmann für sein Geschäft einen braven Lehrjunge suchte, meldeten sich nicht weniger als 50 Jungs! Er lud sie alle auf eine bestimmte Stunde ein, überflog rasch die Empfehlungsbriefe, welche sie mitgebracht haben, wählte dann, ohne weiteres zu fragen, einen von den fünfzig aus und verabschiedete die andern.

"Ich wundere mich," sagte bald nachher sein Freund, der bei der ganzen Vorstellung zugegen gewesen war, "warum du gerade diesen Jungen, der doch keinen einzigen Empfehlungsbrief hatte, den anderen vorgezogen hast?" - "Du irrst", entgegnete der Kaufmann, "dieser Junge hat viele Empfehlungen. Er putzte seine Füße ab, ehe er ins Zimmer trat, und machte die Tür zu; er ist daher sorgfältig. Er gab ohne Besinnen seinen Stuhl jenem alten, gebrechlichen Mann, was seine Herzensgüte und Aufmerksamkeit anzeigt. Er nahm seine Mütze ab, als er hereinkam, und antwortete auf meine Frage schnell und sicher; er ist also höflich und hat Manieren. Er hob das Buch auf, welches ich absichtlich auf den Boden gelegt habe, während alle übrigen dasselbe zur Seite stießen oder darüber stolperten. Er wartete ruhig und drängte sich nicht heran, ein gutes Zeugnis für sein anständiges Benehmen. Ich bemerkte ferner, dass seine Kleider gut ausgebürstet und sein Gesicht und seine Hände rein waren. Nennst du dies alles keinen Empfehlungsbrief? Ich halte mehr davon, was ich von einem Junge weiß, nachdem ich ihn zehn Minuten lang gesehen habe, als auf das, was in schön klingenden Empfehlungsbriefen geschrieben steht."

Schlechte Gesellschaft

Martin war ein gutmütiger Junge, aber etwas leichtsinnig. Wenn ihn deshalb mutwillige Jungen einluden, mit ihnen zu gehen, so konnte er nicht widerstehen.

Er rauchte nicht, aber seine Kameraden rauchten. Eines Abends sagte ein Mann zu Martins Vater: "Ich habe die Jungen an der Straßenecke rauchen sehen. Martin war auch dabei." Martin bekam infolge dessen seine Strafe. Er hatte nicht geraucht, aber er war dabei gewesen. "Papa", sagte Martins Schwester, die kleine Nina, eines Tages, "ich habe die Jungen böse Worte reden hören. Martin war auch dabei." Martin hatte selbst nicht geflucht. Es tat ihm sogar leid, dass es die anderen Jungen taten. Aber er war dabei gewesen. Wieder bekam er seine Strafe.

Einmal hatten die Jungen sich so böse aufgeführt, dass ihnen die Polizei auf die Fersen kam. Sie wurden festgenommen und zum Polizeirevier gebracht. Martin hatte es nicht gern gesehen, dass seine Kameraden so ausgelassen waren. Er hatte sie sogar gewarnt. Aber er war dabei gewesen. Als sie ergriffen wurden, führte man ihn mit ab. Die Mutter bat zwar den Vater, er solle sich für Martin einsetzen, aber der sagte: "Er hätte wegbleiben sollen. Es geschieht ihm recht!" Früher sagte man: "Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen." So gings also Martin. Er willigte anfangs nicht in die übermütigen Streiche der Kameraden ein. Er ging bloß mit. Aber, wer Pech anfasst, besudelt sich. Wer mit Kohlen umgeht, wird schwarz. Martin fand nach und nach immer mehr Gefallen an den Torheiten seiner Kameraden und half zuletzt, wo es nur einen Jungenstreich auszuführen galt.

"Sage mir, mit wem du umgehst, so will ich dir sagen, wer du bist", sagt ein Sprichwort. Wenn man öfters in der Gesellschaft böser Jungen gesehen wird, so werden einen die anständigen Leute zuletzt meiden, niemand wird einem etwas anvertrauen, niemand wird mit einem arbeiten oder Gesellschaft haben wollen. Denn es ist allen bekannt, mit wem man sich herumtreibt.

Warum sagst du es nicht Jesus?

Hans war ein netter, prächtiger Mann, wie es nur einen im Dorf gab. Das heißt, er war für gewöhnlich so nett; zuweilen ging er aber ins Wirtshaus und das Bier, das es dort trank, schien ihm nur zu gut zu schmecken. Dann vernachlässigte er leider seine Arbeit und war sehr hart mit dem kleinen Gretchen und der freundlichen Frau, die im ganzen Dorf nur Hanzes Frau hieß, weil niemand den Nachnamen lesen konnte, den Hans unter seine Rechnungen schrieb. Eines Tages, nachdem er wieder viel Bier getrunken hatte, kam ihm Gretchen in den Weg. Mit rauen Worten schickte er sie hinter die Tür. Weinend lief sie in die nahe gelegene Wiese, und als sie dort lange schluchzend gesessen hatte, kam die kleine Anna Prall angelaufen, die sofort versuchte die Traurige zu trösten. Gretchen erzählte, wie unfreundlich der Vater zuweilen sei, wie er beinahe den Ofen umgerammt und wie er gestern Abend mit dem Kopf in die Schüssel gefallen sei. "Ach, das ist gerade so wie bei dem Mann, den Jesus heilte", fiel Anna ihr ins Wort. Da trocknete Gretchen die Tränen und fragte: "Wie war es denn bei ihm?" "Er war vom Teufel besessen." "Ja, das hat meine Mutter nun auch gesagt", erwiderte Gretchen. "Ich fragte sie neulich, was Vater so böse mache und da hat sie mir gesagt, es sei der Teufel, der ihn so böse sein ließ." "Dann kann Jesus ihn auch heilen", meinte Anna. "Aber Jesus ist jetzt nicht hier", merkte Gretchen an, worauf Anna tröstend versicherte: "O, das macht nichts. Er tut dennoch alles, worum wir ihn bitten." Dann aber schien sie selbst zaghaft zu werden und in verändertem Ton fügte sie hinzu: "Aber dein Vater ist so alt, ich glaube er müsste Jesus selbst bitten." Gretchen wusste nichts zu sagen. Sie war älter als Annchen und eine bestimmte Ahnung sagte ihr, dass ihr Vater sich nicht selbst von dem Übel befreien konnte, wenn sie auch nicht wusste, dass er trank. "Ach, wenn er ihn doch bitten würde", sagte sie nachdenklich. "Es ist schrecklich ihn so zu sehen und es wird auch immer schlimmer." Annchen wusste keinen Rat mehr; sie nahm die Freundin darum in ihre Arme und forderte sie auf, mit ihrem Püppchen Besuch zu spielen, und bald waren sie in ein fröhliches Spiel vertieft. Als die Wärterin kam, um Annchen zu holen, da schlang sie noch einmal ihre Arme um Gretchen und flüsterte leise: "Wir wollen Jesus immer darum bitten."

An jenem Abend knieten zwei Kinder an ihren Betten nieder und beteten für den Mann, der wahrlich vom Teufel besessen war; denn die Liebe zum Trinken ist eine Macht des Teufels im Menschen, die nur durch Jesus allein besiegt werden kann. Und dieser treu bleibende Jesus hörte die Kinder, und er geb der kleinen Anna einen Gedanken, den sie schon am anderen Tag ausführen sollte. "Sieh Mama", sprach sie schmeichelnd zu ihrer Mutter, "wenn meine Puppe nur noch ein Paar neue Stiefelchen hat, so ist sie für den Sommer mit allem versehen, ebenso wie ich. Soll ich nun zum Schuster gehen und ihr ein paar anmessen lassen?"

"Oh ja, dass kannst du tun", sprach die Mutter lächelnd, "wenn er sie machen will, so sollst du sie haben, und es ist ein netter Gang für dich." Annchen rannte davon. Ihr Herz klopfte, als sie an der Tür des bärtigen Mannes anklopfte. Er öffnete selbst ganz freundlich und lachte, als er niederkniete, um der Puppe das Maß zu nehmen. "Ich will ihr ein Paar machen und dann will ich meinem kleinen Mädchen auch ein Paar machen. Ich war gestern sehr hart mit ihr", sagte er halblaut zu sich selbst. "O, es war der Teufel, der dich so böse machte, warum sagst du es nicht Jesus, dass er ihn austreibt?" Hans hob den Kopf empor und sah das Mädchen scharf an. Was wusste das kleine Mädchen von ihm Aber sie sah so unschuldig aus. Sie wusste sicher nicht, dass er betrunken gewesen war. "Warum tust du es nicht?", drängte Annchen. "Ich und Gretchen tun es auch. Sie hat dich so lieb und sie sagt du wärest so gut, bloß nicht, wenn du die Anfälle hättest. Weißt du nicht, wie des Mannes Sohn in das Wasser und in das Feuer geworfen wurde und wie Jesus ihn heilte?" Dann lief die Kleine davon; sie war enttäuscht, weil Hans ihr gar nicht geantwortet hatte. Nun hatte sie auch niemanden zum Spielen und wusste nicht, ob sie etwas Gutes oder etwas Dummes gemacht hatte. "Warum sagst du es nicht Jesus, dass er ihn austreibt?" Diese Worte hallten Hans den ganzen Tag im Ohr. Er konnte sie nicht vergessen. Die kleine hatte wahrlich Recht; es war der Teufel, der ihn plagte. Diese Liebe zum Bier und zum Branntwein ist so schlimm, wenn man zuviel davon trinkt und es nicht bei einem Glas bleibt. "Aber ich kann nicht davon loskommen, ich habe es oft genug versucht. Ich gehe daran zugrunde." "Warum sagst du es nicht Jesus?", hieß es wieder und abermals klang die Frage in Hans` Ohr, bis er endlich demütig und gläubig Jesus um Hilfe anrief gegen den Teufel. Jesus erhörte den Rufenden und machte ihn frei. Annchen ahnte nicht, welche Wirkung ihre Worte hatten; aber ihre Mutter erfuhr es, etwa ein halbes Jahr, nachdem die Puppenschuhe gemacht worden waren. Darum bewahrte sie diese Schuhe auf und Schrieb die Begebenheit nieder, zur Aufmunterung und Glaubensstärkung anderer.

Das Singen verlernt

Der Evangelist Moody erzählt von einem Besuch, den er einmal bei einem Herrn in England gemacht hat. Er bemerkte dabei einen durch sein goldgelbes Gefieder sich besonders auszeichnenden Kanarienvogel im Käfig und bewunderte seine Schönheit. Darauf erwiderte der Besitzer des Vogels: "Ja, er ist schön. Nur hat er leider seine Stimme verloren. Früher war er ein herrlicher Sänger; aber ich hatte die Gewohnheit, seinen Käfig vor das Fenster zu hängen. Da kamen die Sperlinge mit ihrem beständigen Gezwitscher zu ihm heran, und nach und nach hörte er auf zu singen und lernte von den Spatzen das Zwitschern. Alles, was er nun noch kann, ist zwitschern und zwitschern."

Moody knüpft daran die Betrachtung: "Welche treffende Darstellung ist das von so manchen Christen! Einst konnten sie freudig und fröhlich ihrem Herrn Lob- und Danklieder singen. Aber sie kamen in zu enge Berührung mit solchen, deren Stimme nur für die Welt war: Ein oberflächliches Gezwitscher; da verlernten sie das Singen wie der Kanarienvogel, und sie wissen nun nichts anderes als zu zwitschern und immer wieder zu zwitschern."

Fünf Finger

Ein arabisches Sprichwort sagt: "Die Sünde hat fünf Finger." Zwei legt sie ihrem Opfer auf die Augen spricht: "Sieh nicht, weder den Ernst der göttlichen Gebote, noch die Hässlichkeit deiner Tat, noch den Ausgang deines Weges!" Zwei Finger legt sie ihm auf die Ohren und sagt: "Sei taub gegen das Flehen der Deinen und gegen die Warnungen von oben!" Und mit dem letzten Finger schließt sie des Sünders Mund und gebietet ihm: "Du darfst nicht widersprechen, sondern musst mir folgen und in stummem Gehorsam dahin fahren, wohin ich will." Die Alten sagen: "Der Teufel hat zwei Spiegel. Mit dem einen macht er die Sünde klein, als hätte es mit ihr gar nichts auf sich. Hat der Mensch sie aber begangen, so macht er sie mit dem andern Spiegel so groß, als könnte sie nimmermehr vergeben werden." Darum sollen wir uns wohl rüsten und zuvor bedenken, wie gefährlich die Sünde sein kann. Sind wir aber doch in die Sünde geraten, so sollen wir aus Gottes Wort den gewissen Trost nehmen, dass Christi Verdienst und Gottes Barmherzigkeit viel größer ist, als der ganzen Welt Sünde.

Nicht die Zeiger, sondern die Uhr

Ein Indianer kam einst mit zwei Uhrzeigern zu einem Uhrmacher und sagte zu ihm:
"Bringe mir diese beiden Zeiger in Ordnung, sie geben schon seit mehr als einem halben Jahr die Zeit nicht richtig an."
"Aber wo hast du denn deine Uhr?" fragte der Uhrmacher.
"Daheim in meiner Hütte.", gab jener zur Antwort.
"Ja, aber wenn du mir die Uhr nicht gibst, kann ich sie nicht wieder richtig in Gang bringen.", sagte der Uhrmacher.
"Aber ich habe dir doch gesagt, dass an der Uhr nichts zu reparieren ist, sondern nur an den Zeigern, und diese habe ich hier mitgebracht. Jetzt willst du nur die Uhr haben, um mir dann eine große Rechnung schreiben zu können."
Zornig ging er davon.

"Welch ein törichter Mensch!", so sagen wir mit überlegenem Lächeln. Aber sind viele nicht geradeso töricht in ihrer Art, wenn sie nur dafür Sorge tragen, dass ihr äußerer Wandel ehrbar ist, dass sie nicht anstoßen und sich keine Blöße geben, damit ihnen niemand etwas nachsagen kann? "Tue recht und scheue niemand." - Das sind die beiden Zeiger, auf deren rechten Gang genau geachtet wird, und wenn sie glauben, hierin ihre Schuldigkeit getan zu haben, dann sind sie ganz mit sich zufrieden. Aber die Uhr, das Herz, das alles regiert, soll bleiben wie es ist. Dieses liefert man dem großen himmlischen Meister nicht aus, dass Er es in richtigen Gang bringe. Man fürchtet, dass hierfür die Kosten zu groß sind, dass da mit mancher Lieblingssünde gebrochen und dieses oder jenes Stück des alten sündigen Ich verleugnet werden muss. Wenn von dergleichen z.B. in der Predigt die Rede ist, geht man auch zornig fort und bildet sich ein, dass die Zeiger richtig gehen, auch wenn sie von dem im Worte der Wahrheit angegebenen Gange ganz bedenklich abweichen. "Die Uhr muss ich haben", sagt der große Meister.

Kleine Arbeiten für den Herrn

Ein Prediger hatte in einer Kinderbibelstunde zur Mitarbeit für des Herrn Werk aufgefordert und allerlei Ratschläge gegeben, was die Kinder für Jesus tun könnten. Nach dem Gottesdienst trat ein Mädchen auf den Seelsorger zu und fragte, was es denn für den Herrn Jesus arbeiten solle. Der Prediger, der nicht viel Zeit hatte, sagte: "Putze für deinen Vater jeden Morgen die Stiefel schön blank." Das Kind überlegte, was das wohl für das Reich Gottes zu bedeuten hätte, wenn es der Aufforderung des Predigers nachkäme. Aber es tat, was ihm befohlen war, und putzte am nächsten Morgen des Vaters Stiefel schön blank.

Der Vater, der seine fein gewichsten Stiefel anzog, wusste nicht, was er dazu sagen sollte; das war seit dem Tod seiner Frau nicht vorgekommen. Im Laufe des Tages besann sich das Mädchen, was es wohl sonst noch seinem Vater zuliebe tun könnte. Es sah sich im Zimmer um und merkte, wie die Stube so schmutzig war. Es holte Wasser und den Schrubber herbei und fegte das Zimmer rein, putzte den Staub überall ab und brachte alles in Ordnung. Kurz bevor der Vater kam, machte es Feuer in der Küche und stellte die Suppe zum Wärmen darauf. Und so machte es das Mädchen von nun an Tag für Tag. Der Mann freute sich unsagbar darüber, ging am Abend nicht mehr in das Wirtshaus, das er seit dem Tod seiner Frau täglich besucht hatte, sondern wurde ein braver und ordentlicher Mensch. Am Sonntag sah man ihn jetzt wieder in christlichen Versammlungen. Nun sah das Mädchen ein, dass man auch auf indirekte Weise seinem Herrn und Heiland dienen und für Sein Reich wirken kann, wenn man treu und gewissenhaft seine äußeren Dienste verrichtet.

Gehorsam

Ein Vater erzog seinen kleinen Sohn so, dass er ihm aufs Wort vertraute, folgte und nicht unnötig fragte: Warum? Wozu? Weshalb? Welchen Nutzen diese Erziehung brachte, zeigt folgende Begebenheit:
Eines Tages gingen Vater und Sohn spazieren. Robert war schon 14 Jahre alt. Sie gingen an der Eisenbahnlinie entlang. Robert lief weit voraus, der Vater folgte ihm. Robert ging zwischen den Schienen her. Plötzlich hörte der Vater, wie von hinten ein Zug angefahren kam. Er sprang zur Seite und rief seinem Sohn laut zu: "Robert wirf dich sofort auf den Boden!" Im selben Augenblick warf sich der Knabe auf den Bauch und schon fuhr der Zug über ihn hinweg. In banger Erwartung, schaute der Vater dem Zug nach. Endlich sah er wie sein Sohn langsam aufstand, als ob seine Glieder aus Blei wären. Sein Gesicht war kreideweiß. Sein Vater trat zu ihm heran, umarmte ihn herzlich und sagte: "Wie gut ist es, dass du gelernt hast aufs Wort zu gehorchen. Hättest du dich umgesehen, so hätte dich die Lokomotive erfasst, und du wärest jetzt verloren." Der Sohn sagte: "Ja, Vater, ich vertraue dir und weiß, dass du nie etwas unnötig befiehlst."

Eltern sollen es lernen jeden Befehl, den sie ihren Kindern erteilen, ernstlich zu erwägen und seine Erfüllung unbedingt zu verlangen.

Ungehorsam

Eine wohlhabende Dame wurde einmal schwer krank. Sie bekam Typhus. Lange schwebte sie in Lebensgefahr. Endlich trat die Besserung ein. Ihrem Stubenmädchen wurde befohlen die von ihr getragene Kleidung und Wäsche zu verbrennen, damit keine Ansteckungsgefahr bestehe. Das Mädchen tat, wie ihr befohlen wurde und seufzte bei jedem schönen Kleid, das sie in die Flammen warf. Da konnte sie der Versuchung nicht mehr widerstehen, legte ein Kleid auf die Seite und nahm es dann heimlich mit in ihr Zimmer. Zwar konnte sie in diesem Hause das Kleid nicht tragen, doch wollte sie es verwahren, um es später einmal anzuziehen.

Als sie am Abend allein in ihrem Zimmer war, probierte sie das Kleid an und betrachtete sich im Spiegel. Ach, wie schön war es! Sie betrachtete sich mit Freude. Als sie Schritte hörte, zog sie eilig das Kleid aus und steckte es in ihren Koffer. Einige Tage darauf wurde sie krank. Der herbeigerufene Arzt stellte die Diagnose: - Typhus. Das junge Mädchen gestand ihre Schuld. Später fand man in ihrem Koffer das Kleid, durch das sie sich angesteckt hatte. Leider konnte ihr Leben nicht gerettet werden. Sie starb durch ihren Ungehorsam.

Die Aufrichtigkeit

"Gott lässt es den Aufrichtigen gelingen und beschirmt die Frommen." Spr. 2,7

Der berühmte George Washington, Präsident der nordamerikanischen Freistaaten, wurde schon als kleiner Junge für seine Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu jedermann gelobt. Einmal hatte ihm jemand ein kleines Handbeil geschenkt, an dem er überaus große Freude hatte. Wie es die Art von Kindern ist, musste nun jedes Stück Holz, das ihm in den Weg kam, seinem Beile herhalten.

Eines Tages übte er seine Kunst an einem schönen jungen Sauerkirschbaum im Garten seines Vaters aus. Mit einem Schlag war das schöne Bäumchen so zerstört, dass an seine Wiederherstellung nicht mehr zu denken war. Als der Vater den Baum sah, erkannte er, dass er durch offenbaren Mutwillen zerstört worden war. Es tat ihm sehr leid um ihn, denn er hatte ihn selbst gepflanzt. Nun stellte er scharfe Untersuchungen an, um den Täter herauszufinden. "Fünf Guinen (Goldstücke im Wert von 21 Mark) werde ich dem geben," rief er aus, "der mir sagt, wer mein Bäumchen verstümmelt hat." Es war aber alles vergebens, er kam auf keine Spur und ging enttäuscht nach Hause. Unterwegs begegnete ihm der kleine George, sein Beil in der Hand tragend. Da verdächtigte der Vater den Kleinen und voll Unwillen sagte er zu ihm: "George, weißt du, wer mir gestern den Kirschbaum im Garten zerhauen hat"" Der Knabe besann sich einen Augenblick, dann sagte er freimütig: "Ja, Papa, lügen kann ich nicht, nein, das kann ich nicht! Ich hab's getan mit meiner Axt." "Komm in meine Arme", rief der Vater aus, "komm in meine Arme! O, wie freut mich das umgehauene Bäumchen! Du hast es mir tausendfach bezahlt. Es ist eine lobenswerte Tat die Wahrheit frei zu gestehen, auch wenn man etwas Verkehrtes oder Böses getan hat, dessen man sich schämen muss. Die Wahrheit ist mehr wert, als tausend Kirschbäume, die in Silber gefasst wären und goldene Früchte trügen!"

Rudolf's Freiheit

Rudolf kam, wie gewöhnlich, müde von der Tagesarbeit nach Hause. Wieder war ein Tag vergangen, an dem er allerlei Nebenarbeiten im Geschäft von "Klein Günther" zu tun gehabt hatte. "Mutter", sagte er, "ich kann den Bibelvers nicht verstehen: Werdet nicht der Menschen Knechte. Ich bin doch sicher der Menschen Knecht!" Frau Mason war etwas erstaunt über diese Worte. Rudolf, seinen Vorteil wahrnehmend, fuhr fort: "Ich wurde herumkommandiert von morgens bis abends. Ich habe die ganze schwere Arbeit zu verrichten und niemand erkennt sie an." Nach einer kleinen Pause sagte er: "Ich habe schon so oft darüber nachgedacht seitdem ich ein Christ geworden bin. Ich möchte lieber dem Herrn in Freiheit dienen, als in Sklaverei dem "Kleinen Günther". Ich glaube, der Herr hat auch eine Arbeit für mich, bei der ich mein eigener Herr sein kann." Als Rudolf wieder ausgeruht und zufrieden an seine Arbeit ging, dachte er noch einmal über die Bibelstelle nach. Eigentlich könnte er den Vers nicht so auslegen, wie er ihn seiner Mutter ausgelegt hatte. Und doch war er davon überzeugt, dass er nicht den richtigen Arbeitsplatz habe.

Im Laufe des Tages ging einer der Angestellten durch den Keller, in dem Rudolf eifrig Äpfel sortierte. "Warum arbeitest du so angestrengt, wenn der Geschäftsführer nicht anwesend ist, Rudolf? Du bekommst doch dasselbe Gehalt. Ich würde mich nicht für dumm verkaufen lassen. Ruhe dich doch aus, wenn du Gelegenheit dazu hast", riet ihm der Arbeiter. Rudolf lachte ein wenig und erwiderte, dass er niemals daran gedacht hätte, ob seine Herren da seien oder nicht. "Du kannst dir eine Menge Mühe und Arbeit ersparen", sagte der Kontorarbeiter. "Wenn die Katze nicht im Hause ist, können die Mäuse auf den Tischen und Bänken tanzen." Mit diesen Worten ging er zu seinen müßigen Kameraden zurück, die ebenso dachten wie er. Rudolf hörte, wie sie sich über ihn lustig machten und er musste daran denken, dass es doch nicht recht sei auf diese Weise das Vertrauen, das Herr Klein ihnen schenkte, während seiner Abwesenheit zu missbrauchen. Dennoch kamen auch ihm die Gedanken, ob er sich nicht ein wenig unabhängiger verhalten, und dort, wo ihn niemand sah, seinen eigenen Vergnügungen nachgehen sollte. Er hielt aber gar nicht erst mit der Arbeit an, um diese Frage näher zu betrachten. Die Treue war ihm so zur Gewohnheit geworden, dass er gar nicht anders handeln konnte.

Als er am Abend nach Hause kam, sagte seine Mutter: "Ich habe die Bibelstelle aufgesucht, die sagt: Werdet nicht der Menschen Knecht, und ich habe herausgefunden, dass sie mehr bedeutet als du denkst, mein Sohn. Bringe deine Bibel her und lass uns zusammen lesen". Dies gefiel dem jungen Mann, denn er liebte seine Bibel sehr. "Lies 1. Kor. 7, 21-24." Rudolf las: "Bist du als Sklave berufen worden, so lass es dich nicht kümmern; wenn du aber auch frei werden kannst, mach um so lieber Gebrauch davon! Denn der als Sklave im Herrn Berufen ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist der als Freier Berufene ein Sklave Christi. Ihr seid um einen Preis erkauft. Werdet nicht Sklaven von Menschen! Worin jeder berufen worden ist, Brüder, darin soll er vor Gott bleiben." Nachdem er dies gelesen hatte, sagte er: "Jetzt scheint es ganz anders. Es sagt hier sogar, dass jeder darin bleiben soll, wozu Gott ihn berufen hat; und dass wir nicht der Menschen Knechte werden sollen. Aber wie kann das sein, wenn einige zu Knechten des Menschen berufen sind? Und wie kann ein Knecht ein Freier sein?" "Ich will nicht versuchen, dir die rechte Antwort zu geben, aber lass uns wieder die Worte Paulus' aufschlagen". erwiderte die Mutter. Rudolf las Eph. 6, 5-8, wo es heißt: „Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens als Christo. Nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, dass ihr solchen Willen Gottes tut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, dass ihr dem Herrn dienet und nicht den Menschen, und wisset, was ein jeglicher Gutes tun wird, das wird Er von dem Herrn empfangen, Er sei ein Knecht oder ein Freier. Nun weiß ich, was damit gemeint ist,“ erwiderte der Jüngling, „der Herr will, dass wir ihm dienen sollen, selbst wenn wir von den Menschen beschäftigt werden.“ „Das ist richtig, mein Sohn - so ist die Stelle auch gemeint. Ein wahrer Christ ist stets ein Diener Christi, sei er ein Herr oder ein Diener; sei er hoch oder niedrig gestellt. Wir alle haben nur einen Herrn.“ „Aber ein junger Mann sagte mir heute, dass ich dumm sei, wenn ich immer so treulich weiter arbeite, wenn Herr Klein nicht da ist. Ich sollte freier sein. Er sagte: Ich würde doch bezahlt werden, ob ich nun ein wenig ruhe oder weiter arbeite. Aber dies stimmt nicht mit dem überein, was wir eben gelesen haben. Es ist doch ein großer Unterschied zwischen der Freiheit des Apostel Paulus und der Freiheit dieses Mannes! Der Dienst Christi scheint mir die rechte Freiheit zu sein und dennoch verstehe ich es nicht ganz.“

„Die wahre Freiheit, mein Sohn, besteht nicht darin, dass wir uns selbst befriedigen oder tun, was uns gefällt. Die wahre Freiheit erkennen wir immer an den Früchten der Menschen. Der Mensch, der seinen eigenen Weg geht, ist sein eigener Sklave. Selbstbeherrschung ist die erste Bedingung der Freiheit.“ „O, ja, jetzt sehe ich es schon,“ sagte Rudolf, „wenn wir unsre eigenen Herren sind, sind wir Sklaven Satans, weil in uns selbst nichts Gutes ist; Die Sünde nimmt uns gefangen und überliefert uns dem Tod.“ „Das ist richtig, Rudolf. Wenn wir uns von Christus leiten lassen, erhalten wir geistliche Kraft und kommen der ewigen Seligkeit immer näher.“ „So will ich denn,“ fuhr der junge Mann fort, „ein Freier in dem Herrn sein und dort bleiben, wo Er mich hingestellt hat. Ich glaube, dass es mein Vorrecht ist, dem Herrn dienen zu dürfen, wenn dies der Platz ist, an dem Er mich haben will, indem ich die Waren auspacke und die Pakete zur Post trage. Und Treue zu Christus meint Treue zu meinen Geschäftsführer.“

So war es auch. Der Mann, der Rudolf den bösen Vorschlag gemacht hatte, gehörte zu denen, die fortgeschickt wurden, um in der "Freiheit" eine andere Arbeit zu finden. Aber Rudolfs Treue wurde bald belohnt. Er erhielt mit der Zeit eine immer bessere Stellung, obgleich er selber nicht wusste warum. Er wollte als nichts mehr erscheinen als was er war; und wenn er die eine Arbeit treu getan hatte, nahm er stillschweigend eine andere auf. Er war daher auch sehr überrascht, als er eines Tages ins Kontor gerufen wurde und man ihm dort mitteilte, dass er Geschäftsführer eines anderen Geschäftszweiges in einer entfernten Stadt werden solle. "Sie sind im Kleinen getreu gewesen," sagte Herr Klein, "wir wollen Sie über viel setzen."


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