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Begebenheiten

Folgende Begebenheiten sind von Handschriften oder alten christlichen Zeitschriften entnommen, neu überarbeitet und sollen hier zur Erlösung der Seelen und Erhaltung im Glaube dienen. Von den meisten Begebenheiten sind uns leider die Verfasser unbekannt, darum wollen wir gerne jeden Hinweis auf den Autor entgegen nehmen.

Inhalt der Seite 2:

Neu! Die Folgen einer Lüge
Eine Weihnachtsgabe
Gottes Wille
Es kam ein Engel
Auf das alle an Ihn glauben
Ich habe für dich gebetet
Ein Vorrecht
Der Traum einer Pfarrerstochter
Das Lebensbuch

Die Folgen einer Lüge

Es war in der Dämmerung eines Winterabends. Schatten huschten im Zimmer geräuschlos hin und her, während das rötliche Licht des Feuers zwischen altmodischen Feuerlocken angenehm flackerte. Eine ehrwürdige Dame, der das hohe Alter zwar das Haar versilbert, das Herz aber frisch und jung gelassen hatte, saß sinnend in einem Lehnstuhl, welcher dicht ans Kaminfeuer herangezogen war. Plötzlich öffnete sich die Tür und ein Kind sprang an ihre Seite. "Nun, Bettchen", sagte die alte Dame, indem sie ihre Hand zärtlich auf des Kindes sonnige Locken legte, "hast du auf dem Eis vergnügte Stunden gehabt?" "Es war wunderbar schön, Tante Ruth. Willst du mir nicht eine deiner schönen Geschichten erzählen?" Bettchen war das einzige Kind, ihre Mutter war kürzlich gestorben und das Kind war zur Tante zu Besuch gekommen, deren Herz sie durch ihr liebenswürdiges Betragen sofort gewonnen hatte. Aber Tante Ruth hatte tiefblickende Augen, und sie entdeckte bald, dass Bettchen nicht nur ungenau war, was die Wahrheit anbelangt, sondern dass sie es nur wenig zu Herzen nahm, wenn sie bei einer Lüge ertappt wurde. Gab es aber irgendeinen Zug, der Tante Ruth ganz kennzeichnete, so war es ihre unwandelbare Redlichkeit, und nichts verdross sie mehr als Falschheit. Der Grundsatz ihres Herzens war: "Ein Lügner soll nicht vor mir bestehen!" Sie nahm sich vor, aus dem Charakter ihres Lieblings mit Gottes Hilfe das schädliche Unkraut auszujäten, koste es auch viel Mühe. Hierüber hatte sie nachgedacht und ihr Entschluss war gefasst. "Nimm deinen Schemel Kind und setze dich dicht neben mich." Gleich darauf waren die Augen des Kindes auf die Tante gerichtet. "Ich bin nun alt, Bettchen", sie streichelte zärtlich die Stirn der Kleinen "und mein Gedächtnis versagt mir den Dienst. Aber ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich ein kleines, hüpfendes, blondhaariges Mädchen war, wie du. Du machst große Augen vor Verwunderung, aber wenn dir das Leben erhalten bleibt, Kind, wirst du ebenso alt werden wie Tante Ruth, ehe du dich versiehst."

In jenen jungen Jahren war ich in der Schule in einer Elementarklasse mit einem kleinen Mädchen namens Dora zusammen. Sie war ein freundlich gesinntes, empfindsames Kind und eine sehr fleißige Schülerin. Sie schien sich gerne zu mir zu halten und ich musste ihre Gefälligkeiten schon hinnehmen. Aber ich mochte sie nicht gern leiden, denn sie übertraf mich oft in der Klasse, während ich, wenn sie nicht im Wege gewesen wäre, an die Spitze gekommen wäre. Die arme Dora konnte sich meine gelegentliche Kälte ihr gegenüber nicht recht erklären, denn ich war zu stolz, sie den Grund wissen zu lassen. Ich war ein wahrheitsliebendes Kind gewesen, Bettchen, aber der Neid versuchte mich und ich gab nach. Manchmal trachtete ich danach, die anderen Mädchen mit Vorurteilen gegen Dora zu überhäufen, und dies war der Anfang meines Betrügens. Sie war zu furchtsam, sich zu verteidigen und so gelang mir mein Vorhaben beinahe jedes Mal. So sollten wir einmal das Wort Unterricht buchstabieren. In ihrem gewöhnlichen sanften Ton buchstabierte Dora: U n t e r r i c h t. Die Lehrerin hatte sie missverstanden und sagte sogleich: "Falsch - die Nächste!" Doch schnell wandte sie sich an Dora und fragte sie: "Hast du U n t e r i c h t gelesen?" "Nein, Fräulein, ich sagte U n t e r r i c h t." Fräulein N. war noch immer im Zweifel, wandte sich schnell an mich und fragte: "Du hast es gehört Ruth, wie war es?" Ein böser Gedanke stieg in mir auf, um sie in Schmach zu bringen und mich zu erheben. Ohne zu überlegen äußerte ich eine große Lüge: "Dora sagte U n t e r i c h t." Die Lehrerin wandte sich an Dora, aber diese war durch die Anschuldigung verwirrt und schwieg, während ihr gerötetes Gesicht und ihre tränenden Augen ihr das Ansehen der Schuld gaben. "Dora", sagte die Lehrerin im strengen Ton, "eine Lüge hätte ich nicht von dir erwartet. Gehe an den letzten Platz in der Klasse und bleibe nach Schulschluss hier." Ich triumphierte, aber glücklich war ich nicht, denn die Lüge brannte in meinem Herzen. Dora war erniedrigt worden, und ich stand stolz an der Spitze unserer Klasse. Nachdem wir alle entlassen worden waren, gab ich mich meinen Kameradinnen gegenüber vor, etwas verloren zu haben und blieb im Korridor zurück.

Ich hörte die Lehrerin sagen: "Dora, komm her!" Dann hörte ich die leisen Tritte eines Kindes. "Wie kannst du so lügen?" "Fräulein, ich habe nicht gelogen." Als sie behauptete nicht gelogen zu haben, konnte ich durch das Schlüsselloch sehen, dass sie in ihrer Betrübnis über die Anklage und Furcht vor Strafe heftig zitterte. "Halte deine Hand her!" Nun stand ich wie gefesselt. Ich hörte wie ein Schlag des harten Stocks nach dem anderen die kleine weiße Hand des unschuldigen Kindes traf. Wohl magst du deine Augen verbergen von mir, Bettchen. Ach warum redete ich nicht? Ein jeder Schlag tat mir weh, aber ich wollte meine Sünde nicht bekennen und so schlich ich leise von der Tür weg. Ich ging sehr langsam bis Dora daher kam. Ihre Bücher hatte sie in der einen Hand, während sie mit der anderen immer wieder die Tränen abwischen musste, die nicht aufhören wollten zu fließen. Sie schluchzte, als ob ihr das Herz zerbrechen wolle. Tief drang dieses Schluchzen in mein eigenes schuldbeladenes Herz. Als sie weinend weiter ging, stolperte sie und fiel. Ihre Bücher lagen zerstreut auf dem Boden. Ich raffte sie auf und gab sie ihr, indem sie ihre sanften blauen Augen, die in Strömen flossen, auf mich richtete. Sie sagte in weichem Ton: "Ich danke dir vielmals, Ruth." Mein schuldbeladenes Herz schlug schneller, aber ich wollte nicht reden. So gingen wir stillschweigend nebeneinander her.

Daheim angekommen sagte ich mir: "Was soll das eigentlich? Es weiß niemand davon und warum mache ich mir Gedanken?" Ich entschloss mich, die verhasste Last durch Vergessen und Verstellung abzuwerfen und indem ich in unser gemütliches Wohnzimmer ging, lachte und plauderte ich, als ob nichts vorgefallen wäre. Aber die Last auf meinem Herzen wurde dadurch nur schwerer. Es waren nur die Folgen der Sünde. Das auf mich gerichtete Auge Gottes schien mich zu verzehren. Doch je schlimmer mir zumute war, desto lustiger stellte ich mich und mehr als einmal wurde ich durch meine Ausgelassenheit zurecht gewiesen, während ich in Wirklichkeit nur schwer die Tränen zurückhalten konnte. Endlich ging ich in meine Stube. Ich war nicht im Stande zu beten, ging schnell so zu Bett und schloss die Augen zu. Aber der Schlaf wollte nicht kommen. Das Ticken der alten Uhr schien mit jedem Augenblick lauter zu werden, als ob es mir Vorwürfe machen wollte, und als endlich die Mitternachtsstunde schlug, traf es mein Ohr wie Totengeläute. Ich wandte mich auf meinem Kissen hin und her, aber es war wie mit Dornen besät. Ihre milden blauen Augen, die in Tränen schwammen, schwebten mir immer vor. Die Schläge mit dem harten Stock hallten mir unaufhörlich in den Ohren. Da ich nicht im Stande war, diesen Zustand länger zu ertragen, verließ ich das Bett und setzte mich ans Fenster. Die großen Ulmen standen friedlich im Mondlicht da. Der deutlich abgegrenzte Schatten ihrer ausgebreiteten Zweige lag auf dem Boden. Der Kiespfad mit dem weißen Zaun, die vollkommene Stille, die draußen überall herrschte - alles schien meine Ruhelosigkeit zu verhöhnen, während das feierliche Halbdunkel der Mondnacht mich erschauern ließ. So tief, so in die Seele dringend, wie ich es noch nie empfunden habe. Ach Bettchen, ein strafendes Gewissen ist zu mächtig, als dass ein Kind dagegen ankämpfen könnte. Als ich vom Fenster zurücktrat, blieben meine Augen auf der schneeweißen Decke meines Bettchens haften, einem Geburtstagsgeschenk meiner Mutter. Alle ihre Geduld und Güte kamen mir ins Gedächtnis. Ich fühlte die Hand der Verstorbenen auf meinem Haupte. Noch einmal schien ich ihre zitternde Stimme zu vernehmen, als sie mit Inbrunst den Segen des Himmels auf ihr erstgeborenes Kind erflehte. Ich lehnte mich ans Fenster und fing an, heftig zu weinen. Aber Bettchen, Tränen konnten mir keine Linderung verschaffen. Meine Seelenqual wurde immer heftiger, bis ich schließlich verzweifelt zum Bett meines Vaters rannte. "Vater, Vater!" Weiter vermochte ich nichts über die Lippen zu bringen. Seinen Arm zärtlich um mich schlingend legte er meinen weißen Kopf an seine Brust und so besänftigte er mich liebevoll, bis ich mich soweit beherrschen konnte, ihm die Ursache von alledem zu sagen. Dann flehte er ernst zum Himmel, dass sein Kind Vergebung erlangen möge. "Lieber Vater", sagte ich, "willst du jetzt mit mir gehen, um die arme Dora aufzusuchen?" Er antwortete: "Morgen früh, mein Kind." Die Verschiebung war mir höchst qualvoll. Doch ich versuchte meine Enttäuschung zu unterdrücken, erhielt einen Kuss von meinem Vater und kehrte auf mein Zimmer zurück. Aber der Schlummer floh noch immer meine müden Augen. Mein Verlangen, Dora um Verzeihung zu bitten, grenzte an Unsinnigkeit und indem ich auf den Morgen wartete, wurde meine Qual in den langen Stunden so unerträglich groß, dass ich noch einmal meinen Vater aufsuchte, tränenüberströmt neben ihm niederkniete und ihn anflehte, doch gleich jetzt mit mir zu Dora zu gehen. Dann fügte ich flüsternd hinzu, sie könne sterben, ehe sie mir vergeben habe. Er legte seine Hand auf meine heißen Wangen und sagte einen Augenblick nachdenkend: "Ich will mit dir gehen, mein Kind." In wenigen Minuten waren wir unterwegs.

Als wir uns der Wohnung der Frau Hedwig näherten, sahen wir Licht von einem Zimmer in das andere huschen. Von einem unbeschreiblichen Bangen und Beben ergriffen, drängte ich mich näher an meinen Vater. Leise öffnete er die Gartentür und schweigend gingen wir auf das Haus zu. Der Arzt, der eben aus der Tür trat, schien höchst erstaunt, uns zu solcher Stunde dort zu sehen. Worte vermögen nicht meine Gefühle zu beschreiben, als er uns auf die Frage meines Vaters mitteilte, dass Dora an einer Gehirnentzündung daniederliege. Ihre Mutter sagte mir, dass ihr seit mehreren Tagen nicht ganz wohl gewesen sei, aber dass sie trotzdem zur Schule gehen wollte. Gestern Nachmittag kam sie heim, schien aber ganz geistesabwesend zu sein. Sie aß kein Abendbrot und saß stumm am Tisch, als ob sie durch Herzeleid abgestumpft wäre. Ihre Mutter versuchte auf jeglicher Weise die Ursache ihres Leidens herauszufinden, aber vergebens. Sie ging mit demselben Besorgnis erregenden Aussehen zu Bett und nach kaum einer Stunde wurde sie gerufen. "In ihrem Fieber rief sie oft nach dir, liebe Ruth, flehte dich mit Innigkeit an, dich doch ihrer zu erbarmen und sie zu retten." Bettchen, mögest du nie erfahren, wie diese Worte mir ins Herz schnitten. Meine flehende Bitte, Dora nur eine Minute zu sehen, rührte ihre verwitwete Mutter. Indem sie gütig meine Hand - die Hand der Mörderin - nahm, führte sie mich ins Krankenzimmer. Als ich die arme Dulderin ansah, hatte ich keine Hoffnung mehr. Der Hauch des Todes ruhte bereits auf ihrer Stirn und auf ihren großen, blauen Augen. An ihrem Bette kniend flehte ich bebenden Herzens, ach so ernstlich um Vergebung. Doch als ich sie so sehnsüchtig bittend ansah, erkannte sie mich nicht in ihrem starken Fieber. Nein, mein liebes Bettchen, ich sollte nie den Trost der Vergebung von ihren Lippen hören. Als ich Dora wiedersah, lag sie wie im Schlafe. Der rötliche Fieberhauch war von ihren Wangen gewichen, deren Marmorblässe von ihren langen Augenwimpern beschattet wurde. Jene kleine weiße Hand, welche sie zitternd hinhielt, um die Schläge zu empfangen, lag nun lieblich gefaltet in der andern. Das Fieber hatte aufgehört und ihr schmerzentbranntes Herz stand still.

Mein Schmerz war vielleicht größer, als derjenige der Mutter, die ich ihres geliebten Schatzes beraubt hatte. Sie vergab mir, aber ich konnte mir selbst nicht vergeben. Mein Herzeleid rief ein Fieber hervor und in meinem Fieberwahn rief ich unaufhörlich nach Dora. Doch Gott erhörte das Gebet meines Vaters und ließ mich von der Krankheit genesen. Als die Spuren des Frühlings auf der Erde sichtbar wurden und die ersten Blumen auf dem Grabe Doras blühten, war es mir zum ersten Mal gestattet, es zu besuchen. Wieder brach ich in Tränen aus, als ich auf der weißen Marmorplatte Doras Namen und Todestag las. Auf dem frischen Rasen kniete ich nieder und wandte mich, wie ich mich noch heute gut erinnere, gläubig an unseren Erlöser. Dort wurde ich meine Last los und zu gleicher Zeit gestärkt."

Dies alles erzählte Tante Ruth, indem sie ihre Hand zärtlich auf das in ihrem Schoß sich bergende Haupt legte. Die Tränen des armen Bettchens waren schon eine ganze Weile geflossen und nun schrie sie in ihrem Leid untröstlich. Ihre Tante versuchte nicht sie zu trösten, denn sie hoffte es läge Heiligung in diesem Leid. "Bete für mich", flüsterte Bettchen, als sie endlich in Tränen aufblickend die Arme um den Hals ihrer Tante schlang. Aus vollem Herzen brachte Tante Ruth ihre Bitte für das arme, weinende Kind Gott dar. Nie vergaß Bettchen dieses Gebet, denn in einer Dämmerungsstunde brach durch die Reuetränen ein Licht über sie, heller als der Morgen und obgleich es Tante Ruth viel Überwindung gekostet hatte, diesen Schatten aus ihrer Vergangenheit zu zeigen, so fühlte sie sich doch tausendfach für ihr Opfer belohnt. Denn jenes junge Gesichtchen, lieblich wie ein Maienmorgen, dessen Schönheit oft durch Täuschung und Unwahrheit entstellt worden war, erglänzte mehr und mehr. In dem hellen Licht der Wahrheitsliebe, dem der Grund in der Seele des Kindes in dieser Stunde für immer gelegt wurde.

Eine Weihnachtsgabe

Es war gegen Abend an einem kalten Wintertage. Die Leute in der großen Stadt liefen beschäftigt hin und her. Viele Mütter führten ihre Kinder an der Hand und eilten einem großen Platze zu. Auf dem Platze standen viele Buben, denn es war Weihnachtsmarkt. Viele herrliche Sachen gab es dort, die das kleine Herz erfreuten. An einer von Lampen hell beleuchteten Stelle sah man prächtige Puppen aller Art; Dort gab es Flinten, Säbel, Trommeln, viele Schachteln gefüllt mit Bleisoldaten und noch vieles mehr. Fröhliche Kinder besahen sich die Sachen in den Buden. An einer dieser Buden stand eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn Karl. Er ließ sich bereits einen großen Pfefferkuchen schmecken. Als er ihn aufgegessen hatte, schaute er umher und bemerkte einen Knaben, der ganz vertieft schönen Sachen ansah. Keine Mutter führte den kleinen Knaben an der Hand. Er trug ein ganz dünnes Jäckchen und seine Hände hatte er in die Hosentaschen gesteckt, damit sie ein wenig warm würden. Am Arme trug er einen leeren Korb - wahrscheinlich hatte er etwas fort getragen. Da sagte Karl: "Mutter, ich habe noch einen Pfefferkuchen, darf ich ihn dem armen Knaben geben?" Die Mutter sagte: "Ja, das darfst du, aber warte, wir wollen ihm noch eine Freude machen." Sie kaufte nun eine Schachtel voll Spielsachen; darin war ein Bauernhof mit allerlei Vieh. Dann sagte sie zu Karl: "So, jetzt nimm die Schachtel und den Pfefferkuchen und lege es ganz still in seinen Korb, so, dass er nichts merkt." Karl machte, wie seine Mutter es ihm gesagt hatte. Nun gingen sie ein wenig zurück, um zu beobachten , was der arme Knabe machen würde wenn er die Sachen in seinem Korb sehe. Der Knabe stand noch eine Zeitlang da. Endlich schlug die Glocke 6 Uhr. Der Knabe drehte sich um, und wollte heimgehen. Da bemerkte er die Sachen in seinem Korb. Er war aber mehr erschrocken als erfreut darüber. Schnell rief er zu der Frau, die in der Bude stand, er wisse nicht, wie die Sachen in seinen Korb gekommen seien, sie gehören ihm nicht. Die Frau aber sagte ganz freundlich: "Das wird dir das Christkindchen hineingelegt haben. Behalte es nur in Gottes Namen." Als der arme Knabe das hörte, strahlte sein ganzes Gesicht vor Freude. Schnell nahm er seinen Korb und ging davon. Auch Karl, der jetzt mit seiner Mutter wieder hervorkam, war ganz glücklich. Eine einfach gekleidete Frau ging auf Karls Mutter zu und sagte: "Da haben Sie jemandem eine große Freude bereitet. Ich kenne die Eltern des Knaben. Es sind redliche Leute, aber sehr arm. Sein Vater ist Schreiner, der lange Zeit krank war und jetzt, da er wieder gesund ist, keine Arbeit hat. Es ist große Not bei ihnen."

Als Karl mit seiner Mutter heimging, dachte er immer wieder an die Freude des armen Knaben, und war ganz glücklich dabei. Auf einmal sagte er: "Mutter, der arme Knabe denkt, das Christkindchen hätte ihm die Sachen in den Korb gelegt." Die Mutter erwiderte: "Denk einmal nach. Kam dir nicht vorhin plötzlich der Gedanken, du solltest dem armen Knaben deinen Pfefferkuchen geben?" Karl sagte: "Ja, Mama, es war, als hätte es mir jemand gesagt." Die Mutter antwortete: "Das ist das Christkind, der liebe Heiland gewesen, der dir den guten Gedanken eingegeben hatte; er hatte es also durch dich getan." Karl freute sich sehr, als ihm die Mutter noch mehr von Jesus erzählte.

Als sie nach Hause kamen, erzählte die Mutter alles dem Vater. Er sagte: "Da will ich gleich selbst hingehen um zu sehen, ob wir dem Schreiner nicht helfen können. Er ging zu dem Schreiner und bestellte gleich einige einfache Möbel. Da sah er dann die große Not. Die Stube war ganz kalt, denn sie hatten kein Geld um Holz zu kaufen. In der Ofenecke stand ein ganz elendes Bettchen, in dem ein krankes Kind lag. Sein bleiches Gesichtchen strahlte aber ganz fröhlich, denn auf dem Bettchen lag das Spielzeug ausgebreitet und daneben saß sein Bruder. Karls Vater war voll Freude, denn er sah, dass es ein guter Knabe war.

Nun ging er zu einigen Freunden und bat um Geld für Holz. Sie sorgten auch für Essen, warme Kleidung und vor allem für Arbeit. So war den armen Leuten aus der Not geholfen.

Als es wieder Weihnacht wurde, kam der Schreiner vorbei und schenkte aus Dankbarkeit Stühle dazu. Er erzählte, dass es ihnen jetzt gut gehe. Er dankte Karls Vater von ganzem Herzen - noch mehr aber dem lieben Heiland. Karl sagte: "Das hat doch alles das Christkind getan."

Gottes Wille

Einem nicht christlichen Ehepaar war das einzige Kind gestorben. Sie gaben laut ihr Missfallen gegen diese Entscheidung Gottes zu erkennen und fragten ihren frommen Seelsorger, warum Gott ihnen, wenn Er die Liebe sei, das einzige Kind genommen habe. Der Mann Gottes versprach dem Ehepaar in der Leichenrede darauf eine Antwort zu geben. So sprach er dann am Schluss der Rede folgende Worte:

"Ihr wollt von mir noch wissen, warum Gott euer Kind zu sich genommen hat? Nun wohl! Er will aus eurer Familie auch eine im Himmel haben. Ihr Alten wollt nicht in den Himmel und hättet das Kind, wenn es das eurige geblieben wäre, auch nicht hineingelassen. Hört weiter ein Gleichnis:

Es war einmal ein guter Hirte, der in einem neuen Schafstalle köstliches Futter für seine Schafe bereitet hatte. Er machte das Tor des Stalles weit auf, aber die Schafe wollten nicht hinein; Er jagte sie lange im Hofe umher, doch sie sprangen immer wieder vor dem geöffneten Tor zurück. Da nahm er ein Lamm aus der Herde und trug es voran und siehe: da liefen die Alten hinterher!

- Der gute Hirte ist Christus; der geöffnete Stall - der Himmel; das Lamm - euer Kind! Habt ein Elternherz! Lauft nach! Der Herr trägt die Lämmer voran, damit die Alten nachlaufen sollen."

Es kam ein Engel

In einer Religionsstunde fragte ein Lehrer seine Schüler, als er ihnen von Gethsemane erzählte, womit wohl der Engel den Heiland gestärkt habe; denn es heißt: "Es kam ein Engel und stärkte ihn." Da hob ein kleines Mädchen die Hand auf und sagte: "Der Engel wird dem Herrn die Seelen all derer gezeigt haben, die durch seinen Tod erlöst werden."

Das Kind, das diese Antwort gab, war gewiss ein Kind frommer Eltern, denkst du, und bist doch im Irrtum.

Der Herr hat Macht, das, was er den Weisen und Klugen verbirgt, den Unmündigen zu offenbaren.

Auf das alle an Ihn glauben

Als Napoleon eines Tages eine Truppenschau abhielt, entgingen seiner Hand die Zügel seines Pferdes, und es galoppierte davon. Ein einfacher Soldat warf sich dem Pferde entgegen, ergriff die Zügel, brachte das Pferd zum Stehen, und legte die Zügel in des Kaisers Hand zurück. Napoleon wandte sich dem Soldaten zu und sagte: "Ich danke, Kapitän." "Bei welchem Regiment, Sir?" fragte der Soldat. "Bei meiner Garde!", antwortete Napoleon, der offenbar an seinem sofortigen Glauben Gefallen gefunden hatte. Der Kaiser ritt weiter; Der Soldat warf seine Muskete weg, obgleich er noch keine Epauletten auf seinen Schultern und noch keinen Degen an seiner Seite, noch irgend ein anderes Abzeichen von seinem Avancement aufzuweisen hatte und begab er sich zum Stab der kommandierenden Offiziere. Diese lachten über ihn und spotteten: "Was haben Sie denn hier zu suchen?" "Ich bin Kapitän der Garde!", erwiderte er. Sie waren aufs Höchste erstaunt, als er sagte: "Des Kaiser hat's gesagt, und deshalb bin ich's."

Wenn Gott sagt: "Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben", so sollen wir das Wort annehmen, weil es Gott gesagt hat.

Ich habe für dich gebetet

Der Sohn einer christlichen Familie stand im Begriff, die Universität zu besuchen. Seine fromme Schwester steckte ihm beim Abschied einen Brief in die Hand, der außer einem herzlichen Abschiedsgruß folgende Zeilen enthielt: "Mein lieber Bruder, solltest du jemals bei einbrechender Dämmerung versucht werden, eine für deine Eltern oder für deinen Gott entehrende Handlung zu vollbringen, so denke daran, dass deine Schwester für dich betet. Um diese Zeit werde ich von nun an täglich deiner ganz besonders vor dem Gnadenthron gedenken."

Die treue Schwester tat wie sie es versprochen hatte. Nur wenige Monate vergingen, da ging ein Brief von dem jungen Studenten ein, mit der frohen Nachricht, dass er den Herrn gefunden habe. Mit folgenden Worten wandte er sich an die Schwester:

"Von allen Mitteln, die unter Gottes Segen zu meiner Bekehrung beigetragen haben, ist keine so wirksam gewesen als die Gewissheit, dass du, meine treue Schwester, zu einer bestimmten Zeit des Tages für mich betest. Wenn meine Genossen mich zu einem unerlaubten Vergnügen verleiten wollten, dann hieß es in mir: Tu es nicht, deine Schwester betet für dich! Ich versuchte es, solche Gedanken abzuweisen und die Stimme des Gewissens zum Schweigen zu bringen, aber die innere Stimme wuchs; ich konnte nicht mehr widerstehen. Gott hat dein Gebet erhört, und ich werde niemals vergessen, wie viel ich dir zu danken habe."

Ein Vorrecht

Als der bekannte Missionar David Livingstone einmal in England auf Besuch war, wurde in einer Versammlung seinen Opfern, die er gebracht hatte, viel Bewunderung gegeben. Der große, aber doch demütige Mann antwortete: "Kann man das ein Opfer nennen, welches nichts als eine kleine Rückerstattung ist, die wir nie abtragen können. Sagen Sie lieber, es ist ein Vorrecht. Ich habe nie ein Opfer gebracht. Wir wollen gar nicht von so etwas reden, wenn wir dem großen Opfer gedenken, das Der brachte, der vom Throne seines Vaters aus der Höhe herabstieg, um sich für uns hinzugeben."

Der Traum einer Pfarrerstochter

"Ich war", erzählte die Pfarrerstochter, "im Traum in meinem Elternhaus und hatte mich soeben daran begeben den Tisch zum einfachen Mittagessen zu decken. Da erhielt ich die Nachricht: Der Herr Jesu habe sich mit seinen Jüngern zu einem Besuch angekündigt. Noch bevor ich mich von meinem freudigen Erstaunen erholt hatte, traten auch schon die teuren heiligen Gäste zur Tür herein und folgten voller Huld und Freundlichkeit meiner schlichten Bitte an unserm Tische Platz zu nehmen. Eine unbeschreibliche Freude durchdrang mich in der Nähe dieser geweihten Gestalten sein zu können. Mein Blick hing vor allem an dem einen, den ich als meinen Heiland erkennen und anbeten durfte. Meine Erregung kam endlich zur Ruhe während ich den heiligen Worten seines Mundes mit Wonne lauschte, und ich fühlte, dass das Glück dieser Stunde mit nichts zu vergleichen war, was ich bisher auf Erden erlebt hatte. Ich durfte den Herrn und Seine Jünger bedienen und Ihn unablässig reden hören. Seine Worte klangen in mir wie Himmelsmusik. So verging Stunde um Stunde; dabei war mir, als hätte das heilige Zusammensein erst angefangen und vor Verwunderung sprach ich kein Wort.

Mit einmal klopfte es an der Tür. Gleich darauf wurde sie halb geöffnet, und ein Männlein mit einem gepackten Tragekorb auf dem Rücken trat herein. Ich wies seine Bitte, die Ware anbieten zu dürfen gleich zurück, denn es war klar, dass ich keinen Augenblick verlieren durfte, die Gegenwart unserer hohen Gäste zu genießen. Aber der zudringliche Krämer ließ sich nicht so schnell abweisen und schnürte die Bündel auf; nur ansehen sollte ich mir die bunten Tücher, Bänder und feinen Spitzen. Wenn ich auch nicht kaufen wollte, so musste ich doch nachgeben, wollte mit schnellem Blick die Waren mustern um dann dem Herrn Jesu, der mich ernst anschaute, wieder zu dienen. Doch dies ließ der eifrige Krämer nicht zu. Immer neue Pakete und Rollen wurden entfaltet und meine Augen ließen sich fesseln von dem Anblick der schönen Ware. 'Aber jetzt muss es genug sein, dies Tuch will ich kaufen, und dann packt eure Sachen zusammen und geht.', so rief ich angstvoll, denn ich sah, dass sich der Herr Jesu und Seine Jünger erhoben und zum Weggehen richteten. 'Ich will gehen, wenn Sie sich beeilen', sprach der Krämer, 'aber eins haben sie noch nicht gesehen, etwas, was schöner ist als alles, was ihr bisher gesehen habt. Ein echtes chinesisches Tuch; Eine Königin bräuchte sich dessen nicht zu schämen. Dazu bekommen Sie es zu einem guten Preis. Die Farben halten mit unvergänglicher Dauer.' Er holte das Tuch hervor. Ja, es war wunderschön! So eins wünschte ich mir schon lange, aber ich durfte mich nicht länger aufhalten; ich wandte mich um und wollte zu meinen Gästen zurück, doch welch unbeschreiblicher Schrecken durchfuhr mich: Die Plätze waren leer, der Herr Jesus hatte das Zimmer verlassen. Soeben schloss der letzte Jünger, mir noch einen wehmütigen Blick zuwerfend, die Tür.

Mit einem Schreckensruf erwachte ich. Gott Lob, es war nur ein Traum! Aber tief ins Herz grub sich ein fester Entschluss: Dem Herrn treu zu dienen und so oft mir eine Versuchung nahe trete um mein Herz zu gewinnen, mich meines Traumes zu erinnern."

Das Lebensbuch

Hans-Ulli stapft durch den frisch gefallenen Schnee. Ihm ist heute auf dem Weg zur Kinderstunde langweilig. Er fragt sich, wo denn alle bleiben? Es ist doch schon höchste Zeit! Verwundert stolpert er in Schwester Hannas Stübchen. Außer ihr ist niemand da. "Guten Tag, Hans! Kommst du allein?" Allein sein mit Schwester Hanna findet Hans-Ulli nicht so schön. Sie kann einen manchmal so durchdringend anschauen, dass man das Gefühl bekommen kann, sie sehe bis in den hintersten Herzenswinkel hinein. "Kommt denn niemand mehr, Hans-Ulli? Dann bin ich heute ganz allein für dich da. Wir wollen es schön haben miteinander. Sag einmal: wohnt eigentlich Jesus schon in deinem Herzen?" Hans-Ulli senkt den Kopf. Was wollte er sagen?

Er weiß es nicht. In seinem Herzen wohnt allerlei. Wie dumm, dass er heute allein bei Schwester Hanna sein muss. Er guckte durchs Fenster, und sieht den weißen Schnee. Schön wär's jetzt draußen zu sein! "Höre, Hans-Ulli", ertönte wieder Schwester Hannas Stimme. "Ich merke, dass Jesus nicht in deinem Herzen wohnt - denn sonst wüsstest du es und hättest es mir gesagt. Wenn er aber nicht im Herzen ist, dann wohnt viel Böses in ihm; und dieses Böse wischt deinen Namen im Lebensbuch, welches Gott führt, aus. Würdest du heute sterben, so kämest du nicht in den Himmel. Jesus will aber sehr gern, dass dein Name wieder ins Lebensbuch eingetragen wird. Ich will dir sagen wie und wann das geschieht. Geh jetzt heim und suche dir zu Hause ein stilles Eckchen. Dort denkst du einmal darüber nach, ob es nicht viel schöner wäre, wenn Jesus an Stelle des Bösen in deinem Herzen regieren würde. Willst du es Jesus dann auch wirklich alles so sagen: deine bösen Streiche, dein Lügen, dein freches und wüstes Reden - alles, was drinnen nicht in Ordnung ist und bitte Ihn, Er möge in dein Herze einziehen und deinen Namen ins Lebensbuch einschreiben, und dir wird alles vergeben werden." Hans-Ulli winkt nur. Er war froh, dass Er wieder draußen im Schnee steht und den Heimweg antreten kann. Nach dem Mittagessen steigt Hans-Ulli unbemerkt auf den Boden unter dem Dach. Was dort geschieht, darüber freuten sich die Engel im Himmel. Wieder wird sein Name ins Lebensbuch eingetragen. Auf einem alten umgestülpten Feldkorb sitzt ein glücklicher Junge und liest in einem Zettel, den ihm noch Schwester Hanna in die Hosentasche gesteckt hatte: "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen" (Joh. 6:37). Am Montag morgen brachte der Postbote Schwester Hanna ein Briefchen, das aus ungelenker Bubenhand stammt. Darin steht: "Ich hab's gemacht. Hans-Ulli."

Und du, hast du es auch schon gemacht?


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