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Begebenheiten

Folgende Begebenheiten sind von Handschriften oder alten christlichen Zeitschriften entnommen, neu überarbeitet und sollen hier zur Erlösung der Seelen und Erhaltung im Glaube dienen. Von den meisten Begebenheiten sind uns leider die Verfasser unbekannt, darum wollen wir gerne jeden Hinweis auf den Autor entgegen nehmen.

Inhalt der Seite 5:

Begegnung
Unverzügliche Strafe
Das Gewicht an der Uhr
Begründete Zweifel
Kommt her, ihr Gesegneten
Nur ein Traum?
Eine Lüge ohne Worte
Worauf es ankommt

Begegnung

Es gingen einst drei Menschen miteinander denselben Weg. Der eine war ein einäugiger Schuhmacher von der Ruhr, der andere ein Kettenschmied aus dem Limpurgischen, der mit seinem Söhnlein aus der Stadt heimkehrte. Der Kettenschmied war mit seinem Sohn beim Arzt gewesen, und hatte dort die traurige Nachricht erhalten, die Augen des Knaben seien wohl beide verloren. Der Schuhmacher blieb mitleidsvoll stehen, und blickte dankbar zum Himmel empor, denn er hatte sein Auge erst in späteren Jahren verloren; und hier sah er ein sechsjähriges Kindlein, das bald beide Augen verlieren sollte und dann eine lange Finsternis vor sich haben würde. Er redete mit dem Kettenschmied und wurde immer trauriger, denn der Vater war eigentlich auch blind - geistlich blind; er wusste nämlich nichts von seinem Herrn und Heiland. Da erzählte er ihm mancherlei von dem guten Hirten, der manchmal das Herz eines Menschen anrühre, wenn er seine Hand will. Dem Kettenschmied aber gefiel die Rede nicht, und er sagte dem Schuhmacher voll Zorn, er solle seines Weges gehen und ihn nicht missionieren. Er sei alt genug, um zu wissen, was er zu tun habe. "Gern, gern, guter Freund", sprach der Schuhmacher, "Glück auf die Reise und gute Besserung für euer Kind." Der Schmied schritt rasch weiter.

Als er aber etliche Schritte voraus war, rief der Schuhmacher ihm zu: "Wartet ein wenig, ich wollte Euch noch etwas sagen! Lieber Freund, macht dass Ihr in die Hölle kommt!" "In die Hölle?" "Ja, denn seht, Ihr könntet es wahrhaftig im Himmel gar nicht aushalten. Es ist Euch doch schon zu viel, die halbe Stunde mit einem Christen zu gehen. Wie wollt Ihr denn eine Ewigkeit im Himmel unter vollkommenen Gerechten aushalten? Wer den Himmel nicht in den Himmel mitbringt, der findet auch dort nur die Hölle."

Unverzügliche Strafe

Schon vor langer Zeit wurde eine grandiose Eisenbahnbrücke über den Mississippi gebaut. Nun sollte der erste Zug über diese neue Brücke fahren. Viele Neugierige haben sich eingefunden, um an der Probefahrt teil zu nehmen. Alle Waggons waren voll mit Passagieren besetzt. Kurz vor der Abfahrt, kam noch ein Prediger angelaufen, der auch mitfahren wollte, um auf der anderen Seite des Flusses einen Kranken zu besuchen. Er stieg in den ersten Waggon und fragte höflich einen jungen Mann, ob er neben ihm Platz nehmen dürfe. Der junge Mann erkannte sofort, dass er einen Prediger vor sich hatte und erwiderte mit rohem Lachen: "Herr Pastor, ich kann ohne ihre Begleitung zur Hölle fahren!" Schweigend verließ der Pastor wieder den Wagon und fand glücklicherweise noch ganz hinten am Ende des Zuges einen Sitzplatz.

Nun begann die Maschine zu dampfen und zu arbeiten; ein greller Pfiff - der Zug fuhr los. Die Fahrt bis zur Mitte der Brücke verlief problemlos. Plötzlich aber wankte und krachte es; die Notpfeife ertönte - doch zu spät! Mehrere Pfeiler haben nachgegeben, ein Teil der Brücke stürzte in den Fluss und mit ihm die Lokomotive und die beiden ersten Waggons. Alle die darin saßen ertranken in den Fluten; auch der junge Spötter - jetzt war er wohl wirklich zur Hölle gefahren! Der Prediger dankte Gott, dass er ihn auf solche Weise vor einem schrecklichen Tod beschützt hatte. Die hintersten Waggons des Zuges waren ruhig auf dem unbeschädigten Teil der Brücke stehen geblieben.
Diese wahre Geschichte zeigt, dass Gott die Spötter auch in kurzer Zeit strafen kann.

Das Gewicht an der Uhr

Ein kranker Landmann lag schon monatelang auf seinem Sterbebett. Er hatte während dieser Zeit viel in Gottes Wort gelesen und war zu der Erkenntnis gekommen, dass diese Heimsuchung Gottes ihm eine rechte Segenszeit ist.

Als ihm eines Tages der Arzt mitteilte, dass er von seiner Krankheit wohl eine bleibende offene Wunde behalte, die ihm noch manche Schmerzen bereiten werde, da wurde er still und nachdenklich. Er betrachtete an der Wand gegenüber die Uhr und dachte darüber nach, dass diese Uhr nur dann gehen und die Stunden richtig anzeigen und schlagen könne, wenn die schweren Gewichte daran hängen und das Räderwerk bewegt würden. Deine Leiden, sagte er sich, sind auch solche Gewichte, die dein inneres Leben in Bewegung gebracht haben. Nur der Herr kann es bestimmen, wie schwer das Gewicht für das Räderwerk jeder Seele sein muss um es zu bewegen, und wie schwer es sein darf, damit es das innere Getriebe nicht zerstöre.

So oft nun der fromme Landmann die Uhr sah, verkündigte sie ihm mehr als nur die Stunde, und er blieb stille und ergeben bis die Uhr sein letztes Stündlein schlug und er dahin kam, wo es keine Zeit mehr gibt, sondern wohin nur das Selige heimgeht.

Begründete Zweifel

Ein Pflanzer in den Südstaaten von Nordamerika hatte vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, der den Afrikanern die Freiheit brachte, einen frommen Sklaven. Diesem sagte man, als sein Herr starb, dass er in den Himmel gegangen sei. Der Sklave schüttelte zweifelnd den Kopf und entgegnete: "Ich zweifeln und fürchten, Massa nicht dorthin gegangen." - "Warum fürchtest du das, Benjamin?" fragte man ihn. - " Weil" , erwiderte der Sklave, "wenn Massa nach Norden gehen, oder in Bad reisen, er lange vorher reden davon und sich fertig machen. Ich ihn nie sehen sich fertig machen dorthin."
- So gibt es auch heute noch viele Menschen, die sich nicht für den Himmel vorbereiten. Und du, lieber Leser?

Kommt her, ihr Gesegneten

"Welch ein gutes altes Wort ist das 'Komm'!", sagte ein alter Mann. "Ich war ein Waise, und wurde bei einer Frau erzogen, die wirklich mein bestes wollte, aber sie fand nicht den rechten Weg dazu. Wenn ich einen berühmten Prediger hören sollte, sagte sie: 'Geh, lieber Junge, geh zu dem Feste in der Kirche!' Oder: 'Da ist ein berühmter Prediger, gehe hin und höre ihn!' Aber ich wollte nicht. Da nannte sie mich gottlos und hartherzig.

Als ich mich verheiratet habe, wurde alles anders. Meine Marie war eine gute liebe Frau; heute noch muss ich mich darüber wundern, dass sie mich lieben konnte; aber ich danke Gott dafür, dass sie es tat, denn es war ihre Güte und Milde, die mein Herz veränderte."

"Und wie machte sie das?"

Sie sagte zum Beispiel: 'Hans, komm, ich möchte so gerne Herrn S. hören, er ist ein guter Mann, und ich weiß, er wird dir auch sehr gefallen.' Ein anders mal sagte sie: 'Hans, ich sehe du bist recht müde, aber heute ist Gebetsversammlung, da würde es mir viel, viel besser gefallen, wenn auch du da wärst; komm doch mit, du wirst gewiss erquickt werden!' Oder abends, wenn der Tisch abgeräumt und alles nett in Ordnung gebracht worden ist, wenn ich mich gewaschen hatte und in meinem bequemen Stuhl saß, dann hieß es: 'Hans, ich habe hier ein wunderschönes Buch, und ich möchte zu gerne wissen, wie es weiter geht; wenn du mir vorlesen willst, kann ich dabei nähen, das ist doch viel besser.'

Nun da konnte ich nie widerstehen. Es war immer komm - komm! Sie befahl nicht, sie stellte sich nicht über mich, sie stellte sich mit mir auf eine Stufe und sagte: 'Komm mit mir!'

Eines Abends las ich in der Bibel und kam an die Worte: 'Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.' (Matt. 11, 28) 'Ach', sagte ich, 'dieses Buch ist wie du, und nun wird mir alles klar. Zum ersten Mal fühle ich, dass ich dieses Buch von Herzen lieben kann.'

'Hans, Hans', jubelte sie, stand auf und legte ihren Arm um meinen Hals, 'das macht mich so glücklich; aber was meinst du damit, dass ich wie das Buch wäre, und was wird dir klar?'

'Ja, siehst du, Marie, ich dachte, du bist nicht wie meine Pflegemutter, die immer sagte: Geh, geh, geh!' Du aber sagst: 'Komm, komm, komm!'; Und darum habe ich das Buch lieb gewonnen.

'Ach', sagte sie mit leuchtenden Augen, 'dies ist nicht das einzige "Komm" in der Bibel, überall steht "komm".' Sie nahm das Buch aus meiner Hand, schlug die Blätter um - sie wusste so gut Bescheid - und las: 'So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden.' (Jes. 1, 18). Weiter umwendend las sie: 'Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!' (Jes. 55, 1). Und wieder umwendend las sie weiter: 'Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.' (Offb. 22, 17).

'Aber Hans!', fuhr sie fort, 'hier ist das beste "Komm" von allen. Jesus sagt, dass Er an dem großen Tag sprechen wird: "Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt"!' (Matt. 25, 34).

Ich konnte nicht antworten, aber ich gelobte, Ihm zu folgen und Ihn zu lieben. Meine Marie ist nun schon lange im Himmel, aber noch höre ich ihre Stimme. Ihre letzten Worte waren: 'Hans, ich gehe zum Herrn; komm du auch, damit ich dich wiedersehe, und versprich mir, unser Kind zu lehren - wie es Ihn findet.'

Wenn ich das "Komm" in der Bibel lese, ist's mir, als hörte ich die liebe Stimme zu mir reden, und ich bitte mein Kind: "Komm zum Herrn!"

Nur ein Traum?

Der Volksmund sagt: "Träume sind Schäume." Das trifft sicher in den meisten Fällen zu, aber nicht in allen. Kürzlich hörte ich in einem Gottesdienst einen Traum erzählen, der es verdient, dass er weiter erzählt wird. Ich habe mich erkundigt, ob sich auch wirklich alles so zugetragen habe, wie erzählt worden war und es wurde mir versichert, dass der Bericht zuverlässig sei.

Es sind noch nicht viele Jahre vergangen, da hatte sich in einer mitteldeutschen Stadt - wie an anderen Orten auch - ein so genannter "Höllenklub" gebildet. Präsident dieses Höllenklubs war ein wohlhabender Gutsbesitzer, der etwas außerhalb der Stadt wohnte. In diesem Höllenklub ging es oft recht fröhlich zu. Das war besonders an einem Jahresfest der Fall. Der Präsident verstand es, besonders gut Stimmung zu machen; so saß an jenem Tag eine ausgelassene Gesellschaft bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags beisammen. Wie immer ritt der Präsident nach Hause und begab sich in der Morgendämmerung zu Bett, um nun auszuschlafen. Er schlief auch bald ein, erwachte aber nach einigen Stunden schweißgebadet aus einem schrecklichen Traum.

Wie er nachher erzählte, sah er sich selbst auf seinem Fuchs die kurze Allee herauf reiten, die zu seinem Sitz führte. Mitten in dieser Allee stand plötzlich ein schreckliches Wesen vor ihm, vor dem sein Pferd scheute und ihn abwarf. Deutlich erinnerte sich der Mann nachher, wie er im Traum in dem Augenblick, da er abgeworfen wurde, dachte: jetzt schlägst du aber hart auf den Boden auf. Er schlug aber nicht auf, sondern sank, und sank, und sank immer tiefer in einen endlosen Abgrund. Zu seinem Schrecken gewahrte er nach einiger Zeit, dass die Erscheinung, vor der das Pferd gescheut hatte, neben ihm in die Tiefe schwebte. Nach einiger Zeit wurde es etwas heller und da gewahrte der Mann, dass sie in einen sehr großen, höhlenähnlichen Raum kamen. Merkwürdige Laute drangen an sein Ohr, von denen er nicht recht wusste, ob es menschliche oder tierische Stimmen waren. In dieser Höhle sah er eine Bühne, auf der sich viele Paare im Tanz drehten. Er ging näher hinzu, um sich die Leute zu besehen. Was ihm auffiel, war, dass die Gesichter nicht fröhlich aussahen und dass kein Lachen zu hören war. Jedes Gesicht spiegelte eine unbefriedigte Gier wider und was das Schrecklichste war: Der Tanz hörte nie auf.

Plötzlich gewahrte er unter den sich wild drehenden Paaren eine Frau, die er gut kannte. Kannte? Nein, gekannt hatte, denn er wusste genau, dass diese Frau vor zwei Jahren gestorben war. Jäh wandte er sich an seinen unheimlichen Begleiter und fragte: "Wo sind wir hier denn eigentlich?"

"Im Totenreich, im Vorhof der Hölle.", antwortete ihm dieser. Da fiel der Mann auf die Knie und bat flehentlich: "Lass mich hier heraus, hier kann ich nicht bleiben! Wenn es ein Erbarmen gibt, so bitte ich dich: lass mich heraus!" Mit einer Stimme, die dem Träumer durch und durch ging, antwortete ihm das Wesen: "Ja, du darfst noch einmal von hier weggehen. Aber bedenke: heute in einem Jahr wirst du für immer hierher kommen!"

Da erwachte der Mann. Ganz lebendig standen die bilder vor ihm, die er im Traum gesehen hatte und immer noch hörte er die Stimme: "Aber bedenke, heute in einem Jahr wirst du hier sein!" Er tat das einzig Richtige, was er tun konnte: er ging zu einem Prediger, erzählte ihm den Traum, ließ sich von diesem ermahnen und begann ein neues Leben. Er trat aus dem Höllenklub aus, mied das Wirtshaus und alles, was an sein altes, sündhaftes Leben erinnerte. Dafür hielt er sich nun trotz manchem Spott zu den Frommen, ging treu in die Gottesdienste und bekannte öffentlich, dass sein Leben fortan dem Herrn Jesus geweiht sein soll.

Die Monate kamen und gingen und mit der Zeit wurde der Eindruck jenes Traumes doch etwas verwischt. Nur so war es möglich, dass das geschehen konnte, was nun kam. Eines Tages erschienen mehrere seiner früheren Freunde. Mit wahrhaft satanischer List fingen sie an zu reden. Sie lobten ihn, dass er so standhaft den neuen Weg gehe, dass man ihn deshalb achten müsse usw. Schließlich kamen sie aber doch mit ihrem Anliegen heraus: Das Jahresfest des Vereins stehe vor der Tür und sie könnten sich einfach nicht vorstellen, wie sie dieses Fest ohne ihn feiern könnten. Sie sagten ihm auch gleich, er brauche ja keinen Alkohol zu trinken; brauche auch nicht zum Tanz zu bleiben, wenn er nur eben am Anfang zur eigentlichen Feier erscheinen möchte. Nun, unter diesen Bedingungen schien es unserem Freund doch möglich zu sein, seinen früheren Freunden den Gefallen zu tun. Ihr Lob war ihm "wie Öl eingegangen" und so sagte er zu, zu kommen, betonte aber, dass er nur im ersten Teil des Festes bleiben werde.

Der Abend kam und das Zusammentreffen versprach ein glänzendes Fest zu werden. Unser Freund wurde von vielen Leuten herzlich willkommen geheißen, so dass seine anfängliche Befangenheit von ihm abfiel. Als aber der neue Präsident das Podium bestieg und seine Rede mit den Worten begann:

"Heute vor einem Jahr...", da erbleichte er. Plötzlich schien es ihm, als hörte er die Stimme wieder: "Heute in einem Jahr!"

Leichenblass und zitternd stand er auf und wollte nach Hause gehen, aber sofort war er von einigen alten Freunden umringt. "Du kannst uns doch das nicht antun jetzt wegzugehen.", sagte der eine. "Es wäre eine Schande für den Verein und für dich, wenn du jetzt heimgehen würdest.", sagte ein anderer. "Nimm hier einen Schluck Wein, dann wird es dir wieder besser gehen.", sprach ein dritter.

Er nahm einen Schluck Wein, um sich zu beruhigen, ließ sich wieder zum Sitzen nötigen und blieb da. Zum ersten Schluck Wein kam ein zweiter, zum ersten Glas ein zweites und bald war alle Angst vergessen und machte einer fröhlichen, mit der Zeit sogar ausgelassenen Stimmung Platz. Als einer der Letzten verließ er in der Morgenfrühe das Lokal, um nach Hause zu reiten.

In der Mitte der Allee, die zu seinem Hause führte, scheute sein Pferd und warf ihn ab. Eine Stunde später fanden die Angestellten das Pferd allein vor der Stalltür, den Herrn aber mit gebrochenem Genick tot in der Allee. "Heute in einem Jahr... !"

Dieser Traum war eine gnädige Warnung von Gott. Hätte der Mann auf die Warnung gehört, hätte er sein Herz dem Herrn ganz gegeben, so hätte sich der Traum nicht erfüllt. Seine Hinwendung zu Gott geschah aus Angst vor der Hölle und hielt - leider - der Probe nicht stand. Das Lob und die Schmeichelei seiner alten Freunde brachte ihn zum Fall.

Und so jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt; er kämpfe denn recht! (2. Tim. 2, 5).

Eine Lüge ohne Worte

Ich war noch ein kleines Mädchen, als ich eine Lüge beging - nicht mit Worten, aber mit der Tat. Sie erfüllt mich noch jetzt, sooft ich daran denke, mit tiefer Betrübnis.

Eines Tages wurde Besuch bei uns erwartet. Meine Mutter, die allerlei zu tun hatte, trug eine Zuckerdose aus Porzellan in die Küche und stellte sie auf den Tisch. Dann holte sie den Zuckerhut hervor, der in dunkelblaues Papier gehüllt war, und schlug die Spitze ab. Mit einem großen Messer und einem Hammer zerlegte sie diese in gleich große Stückchen. Ich schaute dieser Beschäftigung besonders gerne zu; denn hier und da sprang ein Zuckersplitter ab, und den durfte ich vom Boden aufheben und in mein kleines Leckermaul schieben. Da wurde die Mutter plötzlich aus der Küche gerufen. Schnell ergriff ich Messer und Hammer, um mir ein Stück Zucker abzuschlagen - obwohl ich wusste, dass es mir verboten war. Ich holte mit dem Hammer aus, traf aber ungeschickt die Zuckerdose und schlug ihr einen Henkel ab. Ich erschrak, denn die Dose war aus kostbarem Porzellan und meiner Mutter sehr viel wert. Schnell legte ich den Henkel an die Dose und lehnte dieselbe an die Wand, so dass der Schaden nicht erkennbar war.

Kaum war dies getan, so kam die Mutter und setzte ihre Arbeit fort. O, hätte ich damals der Stimme des Gewissens gefolgt und meinen Ungehorsam bekannt. Aber eine böse Stimme flüsterte: "Du kannst es später immer noch sagen." Leider gab ich dieser Stimme Gehör. Ein starker Schlag, den die Mutter mit dem Hammer tat, erschütterte den Tisch und der Henkel fiel von der Dose ab. Wenn meine Mutter jetzt Verdacht gegen mich geschöpft und mich angeblickt hätte, so hätte ich meine Schuld nicht leugnen können. Ich war zu verwirrt, aber ich sagte bloß: "Ich kann nicht begreifen, wieso der Henkel so leicht abgebrochen ist". "Es ist unvorsichtig von mir gewesen, die Dose so nah an die Wand zu stellen". Ich wollte gerade sagen: "Es ist nicht deine Schuld, liebe Mutter! Ich bin ungehorsam gewesen." Aber wieder flüsterte die böse Stimme: "Es nützt nichts, es der Mutter zu sagen, du kannst die Dose doch nicht mehr ganz machen." Ich schwieg und log, indem ich schwieg. Ich versuchte mein unruhiges Gewissen zu stillen, indem ich mir sagte, dass ich ja keine Unwahrheit ausgesprochen habe. Aber mit meinem Schweigen hatte ich die Mutter glauben lassen, dass ich unschuldig sei und hatte sie somit betrogen.

Einige Monate nach diesem Vorfall wurde die Mutter schwer krank und damit sie mehr Ruhe haben sollte, brachte man mich zu Verwandten. Eines Tages aber holte mich mein Vater wieder nach Hause und sagte tief betrübt, die Mutter werde bald sterben. Bei diesem Gedanken, meine Mutter zu verlieren, stand mir meine Lüge plötzlich in ihrer ganzen Abscheulichkeit vor meinen Augen. Auf dem Heimweg nahm ich mir fest vor, ihr jetzt alles zu bekennen. Aber als ich an ihr Bett geführt wurde, war sie so schwach, dass man mir nicht erlaubte, mit ihr zu reden. Ich durfte ihr nur einen Kuss geben und dann musste ich das Zimmer wieder verlassen. In derselben Nacht starb sie. Bittere Reuetränen weinte ich, als ich die teure Mutter so bleich und kalt daliegen sah. Sie hörte mich nicht, ich konnte ihr nichts mehr sagen, dass ich sie belogen hatte; sie, die mich so geliebt hatte. Viele Jahre sind seitdem vergangen, aber jedes mal, wenn ich zu meinem Vater ins elterliche Haus zu Besuch komme und auf dem Tisch eine Zuckerdose erblickte, so steht meine Sünde mit neuer Lebendigkeit vor meiner Seele und macht mein Herz traurig. Ich glaube, dass Gott mir die Sünde vergeben hat; aber ich kann sie mir nicht vergeben. Jedes mal, wenn ich ein Kind sehe, das - wäre es auch nur aus Spaß - andere zu täuschen versucht, geht mir ein Stich durchs Herz. Ja, ich möchte alle inständig bitten, doch nie eine Lüge auszusprechen oder andere etwas glauben machen zu wollen, was nicht vollkommen wahr ist.

Schlechte Gesellschaft

Martin war ein gutmütiger Junge, aber etwas leichtsinnig. Wenn ihn deshalb mutwillige Jungen einluden, mit ihnen zu gehen, so konnte er nicht widerstehen.

Er rauchte nicht, aber seine Kameraden rauchten. Eines Abends sagte ein Mann zu Martins Vater: "Ich habe die Jungen an der Straßenecke rauchen sehen. Martin war auch dabei." Martin bekam infolge dessen seine Strafe. Er hatte nicht geraucht, aber er war dabei gewesen. "Papa", sagte Martins Schwester, die kleine Nina, eines Tages, "ich habe die Jungen böse Worte reden hören. Martin war auch dabei." Martin hatte selbst nicht geflucht. Es tat ihm sogar leid, dass es die anderen Jungen taten. Aber er war dabei gewesen. Wieder bekam er seine Strafe.

Einmal hatten die Jungen sich so böse aufgeführt, dass ihnen die Polizei auf die Fersen kam. Sie wurden festgenommen und zum Polizeirevier gebracht. Martin hatte es nicht gern gesehen, dass seine Kameraden so ausgelassen waren. Er hatte sie sogar gewarnt. Aber er war dabei gewesen. Als sie ergriffen wurden, führte man ihn mit ab. Die Mutter bat zwar den Vater, er solle sich für Martin einsetzen, aber der sagte: "Er hätte wegbleiben sollen. Es geschieht ihm recht!" Früher sagte man: "Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen." So gings also Martin. Er willigte anfangs nicht in die übermütigen Streiche der Kameraden ein. Er ging bloß mit. Aber, wer Pech anfasst, besudelt sich. Wer mit Kohlen umgeht, wird schwarz. Martin fand nach und nach immer mehr Gefallen an den Torheiten seiner Kameraden und half zuletzt, wo es nur einen Jungenstreich auszuführen galt.

"Sage mir, mit wem du umgehst, so will ich dir sagen, wer du bist", sagt ein Sprichwort. Wenn man öfters in der Gesellschaft böser Jungen gesehen wird, so werden einen die anständigen Leute zuletzt meiden, niemand wird einem etwas anvertrauen, niemand wird mit einem arbeiten oder Gesellschaft haben wollen. Denn es ist allen bekannt, mit wem man sich herumtreibt.

Worauf es ankommt

Ein Reisender auf einem Ozeandampfer sah mit großem Interesse dem Mann am Steuerruder zu, wie er das mächtige Schiff mit sicherer Hand durch die Windungen einer schwer zu passierenden Meeresenge, dem Hafen, zulenkte. Am Ziel der Reise angekommen fragte er: "Sie sind gewiss der Lotse?" "Ja", antwortete der wettergebräunte Mann, "ich fahre seit mehr als dreißig Jahren als Lotse auf diesem Wasser." "Dann, freilich, begreife ich die Sicherheit, mit der Sie das Schiff gelenkt haben. Sie kennen gewiss jeden Felsen, jede Sandbank, jede gefährliche Stelle in dieser Gegend." "O nein, noch lange nicht", unterbrach ihn der Lotse, "meine Sicherheit und die der Schiffe, die ich lenke, bestehen nicht darin, dass ich alle Untiefen und Klippen im Meer kenne, sondern dass ich genau die Wege kenne, wo das Wasser tief ist, und dass ich darin bleibe."

Es kommt wahrlich nicht darauf an, dass man alles kennen gelernt hat, um sicher durch die Gefahren des Lebens hindurch zu kommen. Man braucht nicht jeden Stützpunkt des Unglaubens zu kennen, jede Freude der Welt gekostet, jedes Buch gelesen, sich in jedem Schmutz bewegt zu haben! Es ist gewiss nicht nötig, alle Irrtümer, Fehler, Sünden und Schlechtigkeiten zu kennen; Es genügt völlig, wenn wir die rechte Fahrstrasse kennen und das Ziel im Auge behalten. Darauf kommt es an!


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