Dein Platz

Du stehst am Platz, den Gott dir gab,
Dem Platz, den Er dir zugedacht;
Dort nur bleibt Er dein Schild und Stab,
Dort gibt er Frucht, dort winkt er Macht.
Will er dich segnen, sucht er dich
Nicht in der ganzen, weiten Welt,
Er sucht dich nur an deinem Platz,
Den Platz, wo er dich hingestellt.

Bleib auf dem Platz, den Gott dir gab,
Und halte da in Treue aus;
Ist es ein Kreuz, steig nicht herab,
Ist`s Schmelzerglut, weich ihr nicht aus!
Blick auch nicht seufzend rechts und links,
Scheint er verborgen, irdisch, klein;
Auf diesem Platz, den Gott dir gab,
Will er durch dich gepriesen sein.

Was du versäumt an deinem Platz,
Auch wenn es niemand ahnt und sieht,
Das bringt um einen Segensschatz
Vielleicht ein gottgeliebtes Glied.
Bedenkt`s, den Platz, den Gott dir gab,
Kann niemand füllen als nur du;
Es ist nicht gleich, ob du dort stehst,
Denn grade dich braucht er dazu.

Nimm täglich hin aus Gottes Hand,
Den Platz, den seine Liebe gab,
Was sich an eig`nen Plänen fand
Bei dir noch: senk`s in Christi Grab.
Soll er begegnen dich mit Sieg,
Soll er erhören dein Gebet,
Er tut`s nur, wo sein Streiter treu
Auf dem gewies`nen Posten steht.

Bricht dir nicht selbst die Krone ab,
Sag niemals deinem König "Nein".
Nur auf dem Platz, den er dir gab,
Würd` seine ganze Fülle dein.
Ja, auf dem Platz, den er dir gab
Da jauchzest du ihm fröhlich zu,
Dass jeder sieht; sein Wille ist
Dein Leben, Herrlichkeit und Ruh`!

Sieh`, wenn er kommt, sucht er auch dich
Nicht in der ganzen weiten Welt,
Er sucht dich dort nur sicherlich,
Wohin er selber dich gestellt.
Und dann, o sel`ger Freudentag,
Wenn er an deinem Platz dich fand,
Versetzt er dich, gibt dir den Platz
Auf seinem Thron im Heimatland.

(„Ev. Posaune“ 1 September 1934)