Ich wollte, ja ich wollte

Ich wollte, ja ich wollte und hab es nicht getan...
Wie oft mahnt das Gewissen mich so erschütternd an.
Denn was wir hier versäumen in unser Lebenszeit
Das ist und bleibt versäumet in alle Ewigkeit.

Wie gut wenn man am Abend noch einmal Rückschau hält
Und dann sich ernstlich prüfet was man versäumt, verfehlt.
Ich wollte, ja ich wollte, so sagt man sich wohl dann,
Wie ist es nun gekommen, das ich es nicht getan?

Ich wollte ruhig wandeln den schmalen Lebensweg,
Doch ist ein Sturm gekommen, der mich gehindert hat;
Ich wollt geduldig tragen des Leidens mancherlei
Und habe nicht berechnet, wie schwer es manchmal sei.

Ich wollte Liebe üben auch heut an jedermann,
Da ging der Tag vorüber - und was hab ich getan?
Ich wollte öfters lesen in Gottes teuer Wort,
Doch ist nie Zeit gewesen und nun der Tag ist fort;

Ich wollte öfters beten im stillen Kämmerlein,
Doch hat man mich gehindert: ich war ja nie allein.
Mir scheint als ob die Stunden mich alle klagen an,
Sie sind dahin geschwunden - und was hab ich getan?

Ich wollte - o dies wollen, wenn es ja nicht zur Tat,
Ist's eine leere Schale und bringt nur Tränensaat!
O folg' des Geistes mahnen, der leise Stimme gleich,
Dann wird dein ganzes Leben an edlen Früchten reich.

Wenn du nur immer wolltest und dennoch nicht getan,
Kommst dann mit leeren Händen an jenem Leben an;
Doch unser Herr sucht Früchte, drum wirke früh und spät,
Das nicht mit lauter wollen dein Leben hier vergeht.

(Aus Handschriften, Autor unbekannt)