Schlagwörter: Dienst, entschieden, Gehorsam, Haltung, Herz, Lebensweg, Nachfolge, Treue, Worte und Taten, Zeit

Ich wollte, ja ich wollte und hab es nicht getan…
Wie oft mahnt das Gewissen mich so erschütternd an.
Denn was wir hier versäumen in unsrer Lebenszeit
Das ist und bleibt versäumet in alle Ewigkeit.

Wie gut wenn man am Abend noch einmal Rückschau hält
Und sich dann ernstlich prüfet was man gesäumt, gefehlt.
Ich wollte, ja ich wollte, so sagt man sich wohl dann,
Wie ist es nur gekommen, das ich es nicht getan?

Ich wollte ruhig wandeln den schmalen Lebenspfad,
Doch ist ein Sturm gekommen, der mich gehindert hat;
Ich wollt geduldig tragen des Leidens mancherlei
Und habe nicht berechnet, wie schwer das manchmal sei.

Ich wollte Liebe üben auch heut an jedermann,
Da ging der Tag vorüber – und was hab ich getan?
Ich wollte öfters lesen in Gottes teuem Wort,
Doch ist nie Zeit gewesen und nun der Tag ist fort;

Ich wollte öfters beten im stillen Kämmerlein,
Doch hat man mich gehindert: Ich war ja nie allein.
Mir scheint, als ob die Stunden mich alle klagen an,
Sie sind dahingeschwunden – und was hab ich getan?

Ich wollte – o dies Wollen, wenn es nicht wird zur Tat,
Ist’s eine leere Schale und bringt nur Tränensaat!
O folg‘ des Geistes Mahnen, der leisen Stimme gleich,
Dann wird dein ganzes Leben an edlen Früchten reich.

Wenn du nur immer wolltest und dennoch nicht getan,
Kommst dann mit leeren Händen in jenem Leben an.
Doch unser Herr sucht Früchte, drum wirke früh und spät,
Dass nicht mit lauter Wollen dein Leben hier vergeht.

(Aus Handschriften, Autor unbekannt)

Die alternative Fassung

Ich wollte – ja, ich wollte
Und hab’s doch nicht getan.
Wie oft klagt, was man sollte
Uns nachher bitter an –
Denn was man hier versäumet
In dieser Erdenzeit,
Das ist und bleibt versäumet
Für alle Ewigkeit!

Wie gut am Tagesschlusse
Wenn man dann Rückschau hält
Sich ernstlich prüft in Buße,
Wo man gesäumt, gefehlt.
„Ich wollte – ja, ich wollte“
So sagt man sich wohl dann –
„Wie kommt’s, dass, was ich sollte
Zuletzt ward nicht getan?“

Ich wollte stille wandeln
Den schmalen Pilgerpfad,
Doch Sturm durchkreuzt‘ mein Handeln
Und mich gehindert hat.
Ich wollt‘ geduldig tragen
Des Leidens Mancherlei
Und ließ mir gar nicht sagen,
Wie schwer dies oftmals sei.

Ich wollte Liebe üben
An allen, die mir nah.
Wo ist die Zeit geblieben,
Und wieviel Lieb‘ geschah?
Ich wollte öfters lesen
In Gottes teurem Wort,
Doch war nicht Zeit gewesen
Und dann – der Tag war fort.

Ich wollte beten, flehen
im stillen Kämmerlein,
Doch zuviel war geschehen
Ich war fast nie allein.
Mir scheint, als ob die Stunden
Mich alle klagen an.
Sie sind dahin geschwunden –
Wie viel hab‘ ich getan?

Ich wollte – o, dies Wollen,
Wenn es nicht wird zur Tat,
Ist leerer Schall und Grollen
Und bringt nur Tränensaat.
Folg‘ treu des Geistes Mahnen,
Wie er dich lenkt und führt –
Dann wirst du kaum erahnen,
Wie reich dein Leben wird!

Doch willst du ohne Ende
Und nichts bekommst getan
Kommst du mit leeren Händen
In jenem Leben an.
Viel Frucht wir tragen sollen
Drum wirke früh und spät,
Dass nicht mit bloßem Wollen
Dein Leben ganz vergeht!

(Bearbeitet von H. Sawlanski)

„Der Weg zur Hölle ist ausgepflastert mit lauter guten Vorsätzen.“